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Dr. Najy - Missing

// May 30th, 2008 // No Comments » // bahai

A friend just emailed me the following article, for those of you that speak german take a look. I am sure that some of you will be able to make the connection.

Vermisst: Dr. Najy
Von Thomas Schwarz

Bad Vilbel. Über 28 Jahre ist es her, dass die 77-jährige Wahl-Vilbelerin Vajdieh Najy-Rezvanipour ihren Mann Hossein zum letzten Mal gesehen hat. Das war im Sommer 1980 im Iran. Seitdem gilt ihr Gatte als vermisst. „Ich habe kein Lebenszeichen von ihm.“ Frau Najy geht davon aus, dass ihr damals 52-jähriger Mann nicht mehr lebt – ermordet von den so genannten Revolutionswächtern, die 1979 den Schah von Persien stürzten und unter Ayatollah Khomeni die Macht übernahmen. Hossein Najy war ein gewähltes Mitglied des nationalen Führungsgremiums der Bahai-Religion – die von den muslimischen Mullahs verboten wurde. Nun gibt es eine neue Verfolgungswelle mit Festnahmen im Iran. Dagegen protestiert auch die Bad Vilbeler Bahai-Gemeinde. „Nach unserer Auffassung zeigt die iranische Regierung ihre Entschlossenheit, die Bahai-Religion in ihrem Ursprungsland auszulöschen“, schreibt Pressesprecherin Leila Enayati.

Die Geschichte des Ehepaars Najy beginnt wie ein Märchen und endet mit Chaos und Flucht. Beide kommen aus gutem Hause. Er wird früh Waise, ist intelligent, humorvoll, stets Klassenbester, macht Abitur. Er studiert Medizin zunächst in der persischen Hauptstadt Teheran, dann in England und den USA. Er wird Herzspezialist, baut sich als Kardiologe im Iran eine Praxis auf, engagiert sich aber auch sozial und bei den Bahai, wo er sogar zum Vorsitzenden des Nationalen Geistigen Rates gewählt, dem Führungsgremium für die damals rund 500 000 iranischen Bahai. Zu seinen Patienten gehören auch Mullahs, die mächtigen Moslems des Landes, die 1979 die Macht ergreifen.

Seit Anfang 1980 kommen immer wieder bewaffnete Revolutionswächter ins Haus der Najys, suchen Hossein. Der ist jedoch längst wegen der ihm bewussten Gefahr bei Freunden und Verwandten untergetaucht. „Einmal haben sie ihn doch erwischt und mitgenommen, aber nach drei Stunden wieder freigelassen, weil sich ein Patient für ihn eingesetzt hat“, erinnert sich Frau Najy. Als die Geheimdienstleute ihren Mann wieder nicht antreffen, nehmen sie Frau Najy mit – als Druckmittel: „Ich war das erste festgenommene weibliche Bahai-Mitglied.“ 17 Tage sitzt sie in Einzelhaft, sagt sie, wird beschimpft und geschlagen, „alles war sehr, sehr schmutzig“. Immer wieder wollen ihre Peiniger den Aufenthaltsort ihres Mannes wissen, „aber den kannte ich damals wirklich nicht“. Aufgrund der religiösen Verfolgung sieht sich das Paar nur selten. Und wenn, dann an verborgenen Orten. Ihr Mann will sich stellen, doch Freunde raten ihm ab: „Die lassen deine Frau trotzdem nicht frei“, schildert Vajdieh Najy die Situation. Auf freien Fuß kommt sie dennoch. Rund sieben Monate später geht Hossein Najy seinen Häschern doch noch ins Netz. Am 21. August 1980 treffen sich die neun Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates der Bahai sowie zwei Berater an einem geheimen Ort – denken sie. Die Revolutionswächter versetzen der Religionsgemeinschaft den bislang schwersten Schlag, verschleppen das Führungsgremium spurlos; Anfragen bei den Behörden blieben bis heute unbeantwortet. Allein bis 1998 sollen mehr als 200 Mitglieder der größten religiösen Minderheit des Irans getötet worden sein.

Für Frau Najy beginnt eine schwere Zeit des Hoffens und Bangens. Der Druck lastet schwer auf ihr; das Paar spielte bereits länger mit dem Gedanken, das Land zu verlassen, aber sie fühlten sich ihrer Religion und deren Mitgliedern im Iran verpflichtet. Im August 1981 verlässt Frau Najy mit einem Pass, der zum Glück noch auf ihren Mädchennamen lautet, den Iran, flieht nach Deutschland. Denn in Bad Vilbel leben bereits Schwester, Sohn und Tochter. Sie bleibt. Der Sohn wohnt inzwischen in Kanada, die Tochter in Tschechien. „Sie und meine Enkel sehe ich zum Glück öfter“, freut sich die 77-Jährige. Über das ungeklärte Schicksal ihres Mannes kommt sie nicht weg. „Ich glaube nicht, dass er noch lebt . . .“

credit: Frankfurter Neue Presse